Ein Gedanke…
Donnerstag, den 10. April 2008
Im Informationszeitalter sind unserem Lande nicht nur die Politiker die Mächtigen - auch die Medien, oder besser gesagt vorallem die Medien, beeinflussen die öffentliche Meinung.
Stichwort Lidl-Affäre. Gemeint ist die aktuelle Diskussionen über die Bespitzelung von Mitarbeitern. Was laut stern.de als Schutz vor Ladendiebstahl gedacht war, uferte in völligen Überwachungswahnsinn aus. Als Konsequenz aus den Stern-Veröffentlichungen stellte der Discounter die Videoüberwachung ein und entschuldigte sich in einem offenen Schreiben bei den Mitarbeitern und Kunden.
Das Schreiben jedoch lässt eher an den zaghaften Versuch einer Gegendarstellung erinnern. So wird die beauftragte Detektei beschuldigt, die Mitarbeiterprotokolle angefertigt zu haben. Lidl habe keine Kenntnis darüber gehabt.
Ein Vorgehen in dieser Form war und ist durch Lidl weder gewollt noch beabsichtigt.
[…]
Die Aufgabe der Detekteien war es, in diesen Filialen Informationen zur Aufklärung von Diebstählen zu gewinnen. In Einzelfällen wurden durch die Detekteien zusätzliche und teilweise auch persönliche Informationen über Mitarbeiter protokolliert – das war von uns so nicht gewollt !
Dass LIDL kein unbeschriebenes Blatt ist, dürfte dem ein oder anderen bekannt sein. So wird dem Konzern vorgeworfen, die Bildung von Betriebsräten zu verhindern. Auch entspricht der Umgang mit Mitarbeitern, laut diversen Publikationen, nicht gerade dem, was man unter fairem Mitarbeiterverhalten verstehen würde.
Dennoch kam mir beim Lesen des Schreibens der Gedanke auf, dass Lidl tatsächlich einer übermotivierten Detektei zum Opfer fiel. Dummerweise hat das breite Medienecho seine Wirkung nicht verfehlt, Lidl klagt jetzt über spürbare Umsatzeinbußen. Nun stellt sich die Frage, wer der Leidtragende am Ende sein wird. Die Geschäftsführung mahnt, der Boykott schade nicht Lidl, sondern den Mitarbeitern. Zynische Worte, aber ein milliardenschwerer Konzern kann sich das vermutlich leisten.
Denkbar ist jedoch auch, dass die öffentliche Debatte eine Lawine losgtreten hat, die den Discounter vor umfassende Umtsrukturierungen stellen wird. Die Reformierung des Überwachunsgsystems ist eine (erfreuliche) davon. Eine größere Wertschätzung des Arbeitnehmers steht zumindest in Hoffnung.
Was will ich mit meinem Beitrag nun letztendlich sagen? Dieser Fall ist ein Musterbeispiel für die mediale Mobilmachung. Ausnahmsweise im positiven Sinne. Der Lidl-Boykott in der Bevölkerung geht auf die unzähligen Radio-, Zeitungs- und TV-Berichte zurück. Der Schwarz-Markt hat sich dem Druck gebeugt.
Trotzdem sollte man Lidl eine Gegendarstellung einräumen und sowohl kritisch und wertneutral an den Fall herangehen. Ein spontaner Boykott hat den Konzern wachgerüttelt, aber ein langandauernder würde nur den Mitarbeitern schaden, da diese das schwächste Glied sind. Lidl hat sich schuldig gemacht, doch auch die beteiligten Überwachsungfirmen tragen eine Mitschuld. Wie diese jeweils gewichttet ist, das muss noch herausgefunden werden. So bleibt zu hoffen, dass dieser Fall zu einem kritischeren und aufmerksameren Umgang sowohl den Medien als auch mit den Discountern führt. Es ist ist schließlich unser Geld, mit wir diese Giganten füttern. Es ist unsere Würde, die es zu wahren gilt und es sind unsere Arbeitsplätze


